19.04.2016
Verein „Freunde von Kanew“ hilft in der Ukraine: Medizinisches Netzwerk betätigt sich als Lebensretter


Lebensrettende Operation durch Vermittlung in das Krefelder Helios Klinikum


Wieso leben Sie eigentlich noch?“ Diese Worte richtete ein Arzt in einem Kiewer Krankenhaus an Vadim Martinyuk. Der Ukrainer aus Viersens Partnerstadt Kanew wurde mit einem lebensbedrohlichen Aneurysma der Bauchschlagader in die Klinik eingeliefert. Hier konnte man ihm nicht weiterhelfen. Der Viersener Verein „Freunde aus Kanew“ setzte daraufhin alle Hebel in Bewegung, um den Patienten in Deutschland medizinisch zu versorgen und sein Leben zu retten. Und das medizinische Netzwerk funktionierte. Hans Wilhelm Janissen Brass vom Vorstand des Vereins, und Vereinsvorsitzender Fritz Meies suchten nach einer geeigneten Klinik und wurden fündig.
 
Auf Vermittlung von Kim Holger Kreft, Geschäftsführer des Allgemeinen Krankenhaus Viersen (AKH), wurde Alexander Holubars, Geschäftsführer des Helios Klinikums in Krefeld, eingeschaltet, um auf dieser Basis eine humanitäre Lösung zu finden. Schließlich übernahm Prof. Dr. Dr. Bernd Luther, Chefarzt der Klinik für Gefäßmedizin am Helios Klinikum, die Aneurysma Operation. „Für uns war es selbstverständlich, schnell und unkompliziert zu helfen“, sagt Kim Holger Kreft. „Bei uns am AKH Viersen haben wir keine eigene Gefäßchirurgie, aber in Krefeld gibt es dafür die Spezialisten.“ Beide Kliniken arbeiten im Bereich der gefäßmedizinischen Versorgung bereits zusammen.
 
Der ukrainische Patient war sichtlich erleichtert. Insgesamt fünf Wochen dauerte sein Aufenthalt in Deutschland, davon zehn Tage im Krankenhaus. Den Rest der Zeit nahm ihn Hans Wilhelm Janissen von den „Freunden für Kanew“ auf. Eigentlich wollte Vadim Martinyuk die Operation selbst bezahlen und lieh sich dafür bei Freunden und Verwandten Geld. Ein unmögliches Unterfangen. In der Ukraine erhält der schwer herzkranke Patient eine Pension von umgerechnet 40 Euro monatlich.
 
Das Engagement des Vereins „Freunde von Kanew“ für die Menschen in der Viersener Partnerstadt in der Ukraine ist umfassend. Schon in den vergangenen Jahren wurden auf Betreiben des Vereins unzählige kranke Kinder und Jugendliche in Deutschland, vor allem auch im AKH Viersen, kostenfrei behandelt und operiert. Sehr viele Kanewer Menschen haben heute eine gute Lebensperspektive, weil sich der Verein intensiv für sie eingesetzt hat, zum Beispiel durch die ärztliche Betreuung vor Ort, den Bau einer Ambulanz, die personelle und finanzielle Unterstützung eines Rehabilitationszentrums, den Ausbau der Kinderstation im Krankenhaus der Viersener Partnerstadt sowie der Verwirklichung eines Ausbildungsprojektes für Schreiner.
 
Die „Freunde für Kanew“ finanzieren sich ausschließlich aus Spenden. Die Arbeiten der Mitglieder sind ehrenamtlich. Vier bis sechs Mal jährlich besuchen sie Kanew, um die laufenden Projekte zu begleiten.

Von links: Übersetzerin Olena Khurtych, Hans Wilhelm Janissen Brass (Freunde für Kanew), Patient Vadim Martinyuk, Helios-Geschäftsführer Alexander Holubars, Fritz Meies (Freunde für Kanew) und AKH-Geschäftsführer Kim Holger Kreft. Foto: Wolfgang Kaiser